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Lecture

Zero Copy statt Kabelsalat

Der Media eXchange Layer als offener Unterbau für softwaredefiniertes Broadcasting

August 16, 2026 HS 7 de Cloud

Software-defined Networking, Kubernetes, Microservices: In der IT längst Alltag – im Broadcasting beginnt diese Transformation gerade erst. Der Vortrag zeigt mit DMF und dem Open-Source Media eXchange Layer (MXL), wie containerisierte Media Functions Video, Audio und Metadaten per Zero Copy austauschen können. Und warum öffentlich-rechtliche Sender und direkte Marktkonkurrenten gemeinsam an einem offenen Unterbau gegen Cloud-Abhängigkeit und Vendor-Lock-in bauen.

Software‑defined Networking gibt es seit 2011, Kubernetes seit 2014, Microservices‑Architekturen sind Alltag. Die Broadcasting‑Welt kommt gerade erst an dieser Stelle an: mit der Dynamic Media Facility (DMF) und ihrem Media-Functions-as-a-Service-Konzept. Wir gehen kurz auf die DMF Referenzarchitektur v2 ein, die auf Container-Technologien beruht. Ein Basislayer der DMF ist der Media eXchange Layer (MXL). Mit dem 2026 v1.0‑Release des Media eXchange Layer (MXL) unter dem Dach der Linux Foundation.

MXL ist technisch gesehen eine Schicht für den schnellen Austausch von Mediendaten zwischen containerisierten Medienfunktionen. Solche Funktionen können zum Beispiel Ingest, Replay, Graphics, Mixer oder Playout sein. Jede dieser Funktionen läuft als eigener Prozess. Statt Video, Audio und zeitbezogene Metadaten zwischen diesen Prozessen zu kopieren, nutzt MXL Shared Memory. Dadurch können die Prozesse dieselben Daten direkt verwenden, ohne zusätzliche Kopiervorgänge. Das nennt man Zero Copy. Künftig soll dieser Austausch mit RDMA und libfabric auch über die Grenzen eines einzelnen Hosts hinaus funktionieren. Konzeptionell bewegt sich MXL zwischen Ansätzen wie GStreamer, PipeWire und DPDK: Es übernimmt bestimmte Ideen aus diesen Bereichen, ergänzt sie aber um broadcast-genaues Timing und ein einheitliches Modell für sogenannte Grains, also einzelne zeitlich definierte Medieneinheiten.
Organisatorisch ist MXL ein bemerkenswerter Fall von Industry-Open-Source: BBC, SWR/ARD, SVT, CBC und andere öffentlich‑rechtliche Sender bauen gemeinsam mit direkten Marktkonkurrenten wie Grass Valley, Lawo und Riedel einen offenen Unterbau. Der Treiber ist ein gemeinsames Souveränitäts‑Interesse – Rückholbarkeit aus Cloud‑Abhängigkeiten, Ausbruch aus Vendor‑Lock‑in mit 5‑Jahres‑Vertragslaufzeiten, Erfüllbarkeit des öffentlich‑rechtlichen Auftrags auch in Krisenlagen.

Der Vortrag richtet sich an Entwickler:innen, Sysadmins und Interessierte mit und ohne Broadcast‑Vorkenntnisse. Nach einer kurzen Einordnung der Broadcast‑Welt in bekannte FOSS‑Konzepte folgt der technische Kern mit Code‑Walkthrough und Demo. Danach ein Blick auf die Governance‑Struktur, die Berührungspunkte zu Projekten wie GStreamer, FFmpeg, OBS, PipeWire und CasparCG – und ein ehrlicher Reifegrad‑Check, der auch sagt, wo es heute noch nicht trägt.