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Lecture

Richtig schlecht über Technik schreiben

... und wie man Texte nicht komplett versemmelt.

August 16, 2026 HS 8 de Other

Ob Blog-Beiträge, technische Dokumentationen, Fachartikel oder eine Masterarbeit: In diesem Vortrag verraten wir, wie man möglichst schlecht und unverständlich über Technik schreibt. Angefangen bei lustig hüpfenden Deppenapostrophen, über rumpelnde Passiva und chaotische Wiki-Gliederungen bis hin zu furchtbaren Screenshots mit gruseligen Bildunterschriften stellen wir alle wichtigen Stilmittel anhand von Praxisbeispielen vor. Der Vollständigkeit halber geben wir noch Tipps, wie man gut und lebendig über Technik schreibt. Aber sowas möchte ja keiner lesen. Oder vielleicht doch?

Verständliche Texte vermitteln leichter technisches Wissen, während fesselnde Inhalte Leserinnen und Leser auf der Website halten. Wie man solche Texte schreibt und vor allem in welche Fettnäpfchen man dabei möglichst nicht treten sollte, verraten Carina Schipper Reuß (stellvertretende Chefredakteurin des Linux-Magazins) und Tim Schürmann (IT-Journalist und Diplom-Informatiker).

Freitagnachmittag, kurz vor halb Sechs in Deutschland. Für den wohlverdienten Feierabend fehlen nur noch die Quartalszahlen aus dem letzten Jahr. Sie stecken in irgendeinem alten Dokument in den Untiefen des eigenen Rechners. Netterweise gibt es für solche Fälle den Spürhund Grep. Die Internetsuchmaschine des Vertrauens zaubert rubbeldiekatz dessen deutsche Anleitung hervor. Eine Stunde später klebt das bereits im Wochenende weilende Hirn immer noch am Satz „Reguläre Ausdrücke werden analog zu arithmetischen Ausdrücken aufgebaut: Sie werden mit Hilfe verschiedener Operatoren aus kleineren Ausdrücken zusammengesetzt.“ [https://manpages.debian.org/testing/manpages-de/grep.1.de.html]

Nicht nur in der Dokumentation von Grep warten zahlreiche Sätze, die geneigte Leser und Leserinnen erst nach mehrmaligen Anläufen oder dem Kauf von überteuerten Fachbüchern verstehen. Derlei mysteriöse Wörterschlangen lauern in Blog-Beiträgen, Referenzhandbüchern, Pressetexten und in Masterarbeiten. Jedes gute Unternehmen führt zudem ein Wiki mit hastig aus dem Internet kopierten Textschnipseln, die niemand mehr erklären oder zuordnen kann. PR-Agenturen verstecken die eigentlichen Informationen gut unter einem Berg inhaltsleerer Sätze und trendigem Denglisch. In jedem Fall begrünen die Textwüste unpassende Screenshots des Grauens, an denen nichtssagende Bildunterschriften kleben.

Damit niemand mehr über diese Stolperfallen -äh- stolpert, verpetzen wir sie ungeniert in unserem Vortrag. Angefangen bei lustig hüpfenden Deppenapostrophen, über rumpelnde Passiva und chaotische Wiki-Einträge bis hin zu unfreiwillig komischen Illustrationen stellen wir infernalische Stilmittel anhand von Praxisbeispielen vor.

Da wir eigentlich ganz nett sind, verraten wir auch gleich noch, wie man diese Fettnäpfchen vermeidet und lebendig über Technik schreibt. Das gelingt mit ganz einfachen Maßnahmen. Oder für das obere Management: Wir sharen super-tighte Best Practices mit maximalem ROI. Die damit erzielten Ergebnisse vermitteln leichter technisches Wissen, ihre fesselnden Inhalte halten außerdem Leserinnen und Leser länger auf der Website.

Wir schöpfen dabei nicht nur aus unseren Alltagserfahrungen als IT-Journalisten, sondern auch aus unseren eigenen Fehlern. Die wir selbstverständlich heutzutage nicht mehr machen. Meisten jedenfalls. Carina Schipper Reuß zieht als stellvertretende Chefredakteurin des Linux-Magazins unermüdlich in den Kampf gegen Passiv-Konstrukte, zeilenverschlingende Schlangensätze und blähendes Geschwafel. Tim Schürmann ist Diplom-Informatiker. Als wäre das nicht schon Expertise genug, folgte nach dem (zumindest aus seiner Sicht) äußerst erfolgreichen Universitätsabschluss ein schnelles Abgleiten in den IT-Journalismus, mehrere Buchveröffentlichungen und einige Arbeiten als Video-Trainer. Er weiß also genau, wie man möglichst wenige Informationen in möglichst viel Text unterbringt, um so aus den Verlagen das maximale Honorar herauszupressen.

Einige Literaturvorschläge haben wir ebenfalls im Gepäck. Deren Lektüre empfiehlt sich generell zur umfassenden Vor- und Nachbereitung unseres granatenmäßig recherchierten Vortrags. Unsere erste Empfehlung hat der bereits verstorbene, aber bis heute als Journalisten-Papst gefeierte Wolf Schneider geschrieben. Auch wenn der Titel etwas anderes suggeriert, sollte das Buch jeder gelesen haben, der häufiger Texte schreibt:

Wolf Schneider
Deutsch für Profis
Goldmann-Verlag
ISBN 978-3-442-16175-1

Auf Texte für das Internet geht das folgende spätere Werk von ihm ein:

Wolf Schneider
Deutsch für junge Profis: Wie man gut und lebendig schreibt
Rowohlt Taschenbuch (Rororo)
ISBN 978-3-499-62629-6

Unterhaltsamer sind die Bücher von Bastian Sick, allen voran:

Bastian Sick
Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod
KiWi-Taschenbuch
ISBN 978-3-462-03448-6

Erreichen kann man uns selbstverständlich auch. Carina lässt sich via carina.schipper@computec.de kontaktieren, Tim ist über info@tim-schuermann.de ansprechbar. Zumindest meistens. Die beiden kann man übrigens auch buchen. Nur nicht für Firmenfeiern.